THEMEN > SITUATIV HANDELN

Vielfalt lohnt sich – Übungsstunden gestalten durch situatives Handeln

Vielfalt ist eine wahre Win-Win-Situation, denn sie bringt immer wieder Neues zum Vorschein und erfordert einen flexiblen Umgang mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen und Bedürfnissen deiner Lerngruppe. Mit etwas Erfahrung kannst du bald in jeder Situation eine erfolgreiche Probe gestalten.

  • Also bei mir kriegen sie ja immer das Wort Heterogenität an den Kopf geknallt, aufgrund, dass sie sich bewusst werden sollen, dass wenn sie Ausbilder sind und in die Rolle hineintreten, die Gruppe die ihnen gegenüber steht so verschieden ist, dass sie sich vorher eigentlich keinen festen Plan machen können. Also sie müssen flexibel sein und sich auf die Situation direkt einstellen können.
    Also man muss auf die Situation direkt Einfluss nehmen können, aufgrund dass man sich vorher zwar einen Rahmenplan gemacht hat aber dann keinen festen Plan mehr hat dann in dieser Situation.
    WIE MACHST DU DAS?
    Ich versuche jede Stunde individuell selber nochmal zu planen. Also man kriegt einen Rahmenplan vorgegeben was man bis zum Ende der Stunde halt können sollte, aber in dieser Zeit plane ich die Zeit für mich selber nochmal ein und für die, die halt vor mir sind. Und dadurch handele ich dann intuitiv. Also wenn ich merke, es wird zu unruhig, dann mache ich eine kleine Pause und lasse sie entweder miteinander reden wenn die sich schon länger verstehen. Es kommt ja auch immer darauf an ob die Gruppe neu gemischt ist oder ob sie schon länger zusammen ist. Wenn sie neu gemischt ist, dann geht es heiß her. Dann wird erstmal geguckt, wer ist der Beste… Also am Anfang versucht die Gruppe sich untereinander zu testen und am Ende
    versucht die Gruppe, den Ausbilder zu testen. Das ist immer echt lustig und dann schließen sie sich auch als Gruppe zusammen und dann muss man mal auch kurz gerade stehen und doch denn ? raushängen lassen. Aber ich bin immer so, wenn sobald ne Gruppe zusammentrifft also ich eine neue Gruppe gerade ausbilde zum Beispiel, dann bin ich immer so, ich sage denen was ich von ihnen möchte also welche Forderungen ich an sie stelle und was sie von mir erwarten können. Und ich sag immer, dass ich Spaß haben möchte beim Training auch wenn ich der Ausbilder bin. Geichzeitig sollen meine Gegenüber Spaß haben und es soll trotzdem diszipliniert und ordentlich von Statten gehen. Und es gibt einen gewissen
    Rahmen, also einen Spielraum, den ich ihnen lasse und irgendwann grenze ich diesen aber auch ein. Und die wissen, also wenn die Gruppe mich dann länger hat, dann
    wissen sie auch, dass ich einfach nur die Stimme kurz mal erhebe. Meistens bin aber auch so das ich gar nicht meckere sondern direkt sage was mich stört.
    Vielfalt bring neues zum Vorschein, in der Gruppe ist das dadurch zu sehen, dass die ganzen Einflüsse, die man bekommt, die erlebt man, die erlernt man. Das Erlernen ist ja dann: Wie reagiere ich darauf. Dadurch hat man neue Handlungsbereitschaften/ Handlungsmöglichkeiten gegenüber anderen Personen.
    WAS SIND DEINE TIPPS FÜR TRAINER?
    Definitiv sobald sie merken, dass in der Gruppe Unruhen entstehen eine Pause machen und von dem Eigentlichen was man selbst wollte z.B. ein Titel komplett Durchtrommeln oder Durchblasen direkt erstmal einen Cut ziehen und über irgendwas anderes reden, was die Kinder von dem ablenkt was sie gerade gemacht haben. Also das ist immer das, was ich versuche. Dann frage ich halt: Was sind eure Interessen, also dann erzählen sie mir manchmal was von Pokémon oder was sie noch auf dem Herzen haben. Wie die Schule war, ob es zuhause gerade nicht gut läuft und darauf muss man sich halt auch einstellen, definitiv. Das ist nicht nur: Ja ich bin Ausbilder ich geh zum Training und ich mach mein Training, sondern man muss dann halt auch lernen, oh die erzählen mir was und ich muss darauf reagieren, aufmerksam zuhören und dann auchmal was dazu sagen oder der Ratgeber quasi sein.

Image
Sebastian Scholz

Sebastian Scholz ist ein Pädagoge auf Lebenszeit. Er ist seit seinem 11. Lebensjahr...
PÄDAGOGE | SNARE

Was bedeutet heterogen?

Gruppen werden als heterogen bezeichnet, wenn sie grundverschieden zusammengesetzt sind. Die Vielfalt kennzeichnet sich bei Menschen durch verschiedene soziale und kulturelle Hintergründe, Wissen, Erfahrungen, Begabungen, Interessen, Einstellungen, Motivationen und vielem mehr. All das spielt immer wieder eine Rolle, wenn Gruppen in Kontakt treten.

Schon allein, weil der Wissensstand, der Charakter und die Tagesform der Kinder und Jugendlichen verschieden sind, hast du es in den Proben für gewöhnlich mit heterogenen Gruppen zu tun. Offenheit, Flexibilität und Lernbereitschaft sind entscheidend, um das Zusammenleben und die Zusammenarbeit in unserer vielfältigen Welt zu gestalten.

„Ausbilder müssen sich bewusst sein, dass die Gruppe so verschieden ist, dass sie sich vorher keinen festen Plan machen können.“

Kein Plan!? Wie gestaltet man die Probe mit heterogenen Gruppen? 

Mach der Gruppe vor dir klar, was sie von dir als Ausbilderin oder Ausbilder erwarten kann aber auch was du von jedem Einzelnen erwartest. Lernziele zu vereinbaren ist wichtig, den Weg dorthin solltest du aber nicht von vornherein festlegen. Hier kommt es vielmehr darauf an, die individuellen Lernvoraussetzungen, Lerntypen und Begabungen herauszufinden um den passenden Weg zu gestalten. Dafür musst du etwas Erfahrungen sammeln – je mehr Situationen du in den Proben erlebst, desto flexibler kannst du dich auch auf neue Bedingungen einstellen.

Mal hilft bei aufkommender Konzentrationsschwäche nach einem langen Schultag eine zusätzliche Pause um anschließend mit neuer Kraft die Lernziele zu verfolgen. Manchmal bedarf es nur einen kleinen Motivationsschub durch ein ernst gemeintes Lob oder zur Auflockerung ein kleines Spiel zwischendurch. Ist ein Kind mit den Gedanken bei einem persönlichen Problem, kann eventuell dein vertrauensvoller Rat aufmuntern und zu neuer Energie verhelfen. In dem Fall bringt es ohnehin keinen Erfolg, deinen Plan schnurstracks durchzuziehen.

Deine Trainerrolle erfordert also mehr als das bloße Planen einer Übungsstunde – du hast die wichtige Aufgabe, aufmerksam zuzuhören und je nach Situation angemessen zu handeln um ein lernförderliches Klima aufrecht zu erhalten. Das schaffst du, indem du dich als Bezugsperson für die Kinder und Jugendlichen interessierst und diese vor allem in Situationen kennenlernst, die von den eigentlichen Lernzielen und Plänen abweichen.

Genau das ist wertvoll im Umgang mit heterogenen Gruppen und genau das macht deine Aufgabe so spannend und lehrreich. Durch die Vielfalt erlebst du ständig neue Eindrücke, lernst diese zu verstehen und damit ganz verschiedene Herausforderungen im Leben zu bewältigen.

Probiere dich aus!
Bastis Tipps für die Übungsstunden im Vereinsalltag

  • Versuche einmal, die Probe so zu gestalten, dass ihr nach ca. 25 Minuten konzentriertem Lernen eine 5-minütige Pause einlegt.

  • Lass in kurzen Pausen Murmelrunden (Gesprächsrunden) zu und zeige auch Interesse an den Lieblingsthemen deiner Gruppe.

  • Bewegung (springen, aufstehen, klatschen etc.) ist immer gut zur Auflockerung zwischendurch.

Was denkst du?
Teile deine Gedanken und Erfahrungen zum Umgang mit heterogenen Gruppen.

Gemeinsam gestalten wir Angebote für eine unbegrenzte Marchingband Entwicklung.

Du hast noch Fragen oder eine Anmerkung ?

Send this to a friend