ZWEI JAHRE, VIER WETTBEWERBE UND EINE REISE, DIE BLEIBT

Die Academy Band bei den WAMSB-Weltmeisterschaften in Mexiko und beim World Music Contest in Kerkrade

ACADEMY BAND - PROJEKT
Fast zwei Jahre lang wurde geplant, organisiert und trainiert. Vom 4. bis 19. Juli 2026 erreichte dieses außergewöhnliche Projekt schließlich seinen Höhepunkt: Die Academy Band der Fanfarenzug Academy stellte sich innerhalb weniger Tage gleich zwei der bedeutendsten Wettbewerbe der internationalen Marschmusikszene – den WAMSB-Weltmeisterschaften im mexikanischen Cholula und dem World Music Contest im niederländischen Kerkrade.

Was zunächst als mutige Idee begann, entwickelte sich Schritt für Schritt zu einem deutschlandweiten Gemeinschaftsprojekt. Musiker aus unterschiedlichen Vereinen trafen sich regelmäßig zu gemeinsamen Proben, investierten unzählige Stunden in Training und Vorbereitung und nahmen dabei weite Anreisen in Kauf. Beruf, Familie, Schule, Studium und die Verpflichtungen in den eigenen Heimatvereinen mussten dabei immer wieder mit den Terminen der Academy Band in Einklang gebracht werden.

Aus einzelnen Musikerinnen und Musikern wurde über die Monate eine Mannschaft. Aus regelmäßigen Proben entstanden Freundschaften, gegenseitiges Vertrauen und ein außergewöhnlicher Teamgeist. Niemand konnte zu Beginn ahnen, wohin diese gemeinsame Reise führen würde.
Die beiden Juliwochen bildeten schließlich den Höhepunkt dieser Entwicklung. Vier Wettbewerbe, zwei internationale Großveranstaltungen, tausende Reisekilometer, lange Busfahrten, sommerliche Hitze, kurzfristige Ausfälle und ein eng getakteter Zeitplan verlangten allen Beteiligten einiges ab. Gleichzeitig wurden diese Tage zu einer Reise voller besonderer Begegnungen, gemeinsamer Erlebnisse und Momente, die weit über sportliche Erfolge hinaus in Erinnerung bleiben werden.


DER GEMEINSAME START IN HETTSTEDT

Am Nachmittag des 4. Juli trafen die Teilnehmer der Mexiko-Reise im Bandcamp in Hettstedt ein. Nach Monaten der Vorbereitung begann nun die letzte Etappe eines Projekts, auf das alle hingearbeitet hatten. Während nach und nach alle eintrafen, verwandelte sich das Gelände in eine Mischung aus Probenzentrum und Logistikstützpunkt. Instrumente wurden kontrolliert, Fluggepäck vorbereitet, Trommeln sicher verpackt und sämtliches Trainingsmaterial für die kommenden Tage zusammengestellt. Jedes Detail musste stimmen, denn was jetzt vergessen wurde, ließ sich am anderen Ende der Welt kaum ersetzen.

Zwischen Vorfreude und Anspannung verging der Abend wie im Flug. Für viele war es die erste Reise nach Mexiko, für einige sogar die erste Weltmeisterschaft außerhalb Europas. Noch fühlte sich alles ein wenig unwirklich an. Erst mit dem Gedanken an den frühen Start am nächsten Morgen wurde allen bewusst: Jetzt wurde aus monatelanger Vorbereitung Realität.

Bereits am 5. Juli machte sich die Gruppe am frühen Morgen mit dem Bus auf den Weg nach Frankfurt. Von dort aus begann die gemeinsame Reise über den Atlantik. Nach der Landung in Mexiko wartete jedoch noch eine weitere Etappe: Rund vier Stunden führte die Busfahrt durch das Land, bevor die Academy Band schließlich Cholula erreichte. Nach dem Bezug der Zimmer war die Erschöpfung deutlich spürbar. Große Unternehmungen standen an diesem Abend nicht mehr auf dem Programm. Stattdessen überwog ein anderes Gefühl – die Gewissheit, dass das große Abenteuer nun tatsächlich begonnen hatte.

ACADEMY BAND - PROJEKT

ANKOMMEN IN MEXIKO

Der erste vollständige Tag in Cholula begann mit einem gemeinsamen Frühstück – und den ersten kulinarischen Entdeckungen. Manche Speisen wirkten zunächst ungewohnt, doch die anfängliche Zurückhaltung wich schnell der Neugier. Gemeinsam wurde probiert, verglichen und gelacht. So entstanden bereits am ersten Morgen kleine Erlebnisse, die die Reise bereicherten. Anschließend erkundete die Band das Hotel und das unmittelbare Umfeld. Schnell wurde klar, dass der Pool in den kommenden Tagen mehr sein würde als nur eine angenehme Abkühlung. Bei Temperaturen, die deutlich über dem lagen, was viele aus Deutschland gewohnt waren, entwickelte er sich zum beliebten Treffpunkt zwischen den Trainingseinheiten.

Im Mittelpunkt stand jedoch der Trainingsplatz. Vor der beeindruckenden Kulisse des Popocatépetl erstreckte sich ein weitläufiger Marktplatz, auf dem die Academy Band in den kommenden Tagen den Grundstein für ihre Wettbewerbe legen sollte. Gemeinsam wurden die Maße des Marschfeldes exakt abgesteckt, damit unter möglichst realistischen Bedingungen trainiert werden konnte. Noch am Vormittag begann die erste Probe in der mexikanischen Hitze. Jeder Schritt machte deutlich, dass nicht nur das Klima, sondern auch die ungewohnte Höhe über dem Meeresspiegel zusätzliche Herausforderungen mit sich brachte. Umso wichtiger wurden regelmäßige Erholungspausen und eine gute Einteilung der Kräfte.

Am Abend wechselte die Band für die Musikprobe in den Park gegenüber des Hotels. Dort lernte sie erstmals die Verantwortlichen der WAMSB kennen. In entspannter Atmosphäre konnten organisatorische Fragen geklärt und erste Eindrücke von der bevorstehenden Weltmeisterschaft gesammelt werden.

Spät in der Nacht trafen schließlich auch die Musikerinnen und Musiker des Dresdner Fanfarenzuges ein. Sie waren direkt von einem Wettbewerb in Rastede nach Mexiko gereist. Dass sie später zur Academy Band stießen, war von Anfang an selbstverständlich gewesen. Während des gesamten Projekts galt ein klarer Grundsatz: Die Verpflichtungen gegenüber den Heimatvereinen hatten stets Vorrang. Gerade dieser gegenseitige Respekt war ein wesentlicher Baustein für den außergewöhnlichen Zusammenhalt innerhalb der Academy Band.


ZWEI PROGRAMME, EIN ZIEL

Mit dem 7. Juli begann der Alltag einer Weltmeisterschaft. Die Tage folgten nun einem festen Rhythmus: Vormittags wurde auf dem Marktplatz marschiert, am Abend stand die Musikprobe im Park auf dem Programm. Dazwischen blieb Zeit, die Eindrücke der Stadt auf sich wirken zu lassen, neue Kräfte zu sammeln und sich auf die bevorstehenden Wettbewerbe vorzubereiten.

Die Academy Band arbeitete gleichzeitig an zwei völlig unterschiedlichen Programmen. Neben dem klassischen Marschwettbewerb stand auch die Marschparade – international als Freestyle bezeichnet – auf dem Wettkampfplan. Beide Disziplinen stellten eigene Anforderungen an Präzision, Ausdruck und Ablauf. Entsprechend intensiv wurde trainiert, korrigiert und immer wieder an Details gefeilt. Jeder Handgriff musste sitzen, jeder Schritt selbstverständlich wirken.

Am 8. Juli übernahmen die Musikerinnen und Musiker einen Teil der Vorbereitung eigenständig. Während die Trainer an der offiziellen Informationsveranstaltung der WAMSB teilnahmen, trainierte die Band selbstständig auf dem Marktplatz. Die zuvor besprochenen Aufgaben wurden konzentriert umgesetzt – ein Zeichen dafür, wie selbstständig und eingespielt das Ensemble inzwischen arbeitete.

Parallel dazu wurden bei der Delegiertenversammlung die Startreihenfolgen ausgelost und die letzten organisatorischen Details mit den Vertreterinnen und Vertretern der teilnehmenden Nationen abgestimmt. Langsam wurde allen bewusst, dass die Monate der Vorbereitung ihrem entscheidenden Moment entgegenliefen.

Am Nachmittag bot eine Stadtrundfahrt Gelegenheit, Cholula abseits von Hotel und Trainingsplatz kennenzulernen. Zwischen historischen Gebäuden, lebhaften Straßen und dem beeindruckenden Blick auf die umliegenden Berge zeigte sich eine ganz andere Seite der Gastgeberstadt. Dennoch blieb der Fokus jederzeit auf dem bevorstehenden Wettbewerb. Am Abend traf sich die Band erneut zur Musikprobe im Park – konzentriert, motiviert und mit wachsender Vorfreude auf den ersten Wettkampftag.


DIE WELTMEISTERSCHAFT BEGINNT

Am 9. Juli war die Weltmeisterschaft endgültig in Cholula angekommen. Bereits am Morgen herrschte rund um das Hotel eine besondere Atmosphäre. Überall bereiteten sich Bands aus aller Welt auf die offizielle Eröffnung vor. Unterschiedliche Uniformen, Sprachen und Musikstile prägten das Bild – und machten eindrucksvoll deutlich, welchen internationalen Stellenwert diese Veranstaltung besaß. Bei hochsommerlichen Temperaturen versammelten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zunächst auf dem Platz vor dem Hotel. Von dort führte die Eröffnungsparade durch die Straßen Cholulas bis zum großen Marktplatz im Herzen der Stadt.

Für die Academy Band war dieser Weg längst vertraut. In den vergangenen Tagen war er Teil des täglichen Trainings gewesen. Nun wirkte jedoch alles anders. Wo zuvor konzentriert geprobt worden war, standen jetzt Zuschauer, internationale Formationen und Kamerateams. Aus dem Trainingsgelände war die Bühne einer Weltmeisterschaft geworden.

Vor der eindrucksvollen Kulisse des Popocatépetl entstanden Erinnerungsfotos, bevor am späten Nachmittag noch einmal trainiert wurde. Trotz der festlichen Stimmung blieb der Blick nach vorn gerichtet. Auch die traditionelle Musikprobe im Park gehörte selbstverständlich zum Tagesprogramm – als letzter Feinschliff vor dem ersten Wettbewerb.


DER ERSTE WETTBEWERBSTAG

Der 10. Juli begann früh. Bereits um 7.30 Uhr machte sich die Academy Band auf den Weg zum Wettbewerbsgelände. Der Marschwettbewerb sollte ursprünglich um 9 Uhr beginnen – doch wie so oft bei großen internationalen Veranstaltungen verlief der Zeitplan anders als vorgesehen. Erst gegen 11 Uhr fiel schließlich der Startschuss.

Die lange Wartezeit verlangte Geduld und Konzentration. Gerade im Marschwettbewerb kann eine solche Verzögerung zur mentalen Herausforderung werden. Doch die Band ließ sich davon nicht aus dem Konzept bringen. Als der Moment gekommen war, präsentierte sie ihr Programm konzentriert und geschlossen.

Nach dem Wettbewerb ging es zurück ins Hotel. Beim gemeinsamen Mittagessen konnten die ersten Eindrücke ausgetauscht werden, bevor etwas Zeit zur Erholung blieb. Doch an Ausruhen im eigentlichen Sinne dachte niemand. Noch vor dem Abendessen traf sich die Band erneut zur Probe.
Nicht, weil es notwendig gewesen wäre – sondern weil alle das gleiche Ziel verfolgten: Am nächsten Wettkampftag sollte jeder Schritt noch sicherer, jede musikalische Passage noch präziser und jeder Ablauf noch selbstverständlicher wirken. Gerade dieser Anspruch, sich auch nach einem gelungenen Auftritt weiter verbessern zu wollen, zeichnete die Academy Band während des gesamten Projekts aus.


DER ZWEITE WETTBEWERBSTAG

Am 11. Juli rückte die Marschparade in den Mittelpunkt. Erneut begann der Tag früh, erneut verschob sich der offizielle Zeitplan. Was inzwischen fast schon zum mexikanischen Veranstaltungstempo gehörte, brachte die Band jedoch nicht mehr aus der Ruhe.
Mit jedem Wettbewerb wuchs die Sicherheit. Die Abläufe waren eingespielt, die Nervosität der ersten Tage wich zunehmender Routine. Gleichzeitig war allen bewusst, dass die entscheidenden Stunden noch bevorstanden. Das Finale würde über Medaillen und Weltmeistertitel entscheiden.
Nach der Rückkehr ins Hotel standen noch einmal eine Musikprobe und etwas Freizeit auf dem Programm. Die Gespräche wurden ruhiger, die Konzentration größer. Jeder nutzte die verbleibende Zeit auf seine Weise – beim Üben, beim Entspannen oder einfach, um die Gedanken zu ordnen.
Die Vorfreude auf den Finaltag war überall spürbar. Gleichzeitig wusste jeder in der Band: Jetzt kam es darauf an, die Leistungen der vergangenen Tage genau dann abzurufen, wenn es wirklich zählte.


EIN FINALTAG, DEN NIEMAND VERGESSEN WIRD

Der 12. Juli begann mit einer Mischung aus Anspannung und Vorfreude. Nach Tagen intensiver Vorbereitung, zwei erfolgreichen Wettkämpfen und unzähligen gemeinsamen Proben war der Moment gekommen, auf den alle hingearbeitet hatten: das Finale der WAMSB-Weltmeisterschaften.
Schon vor Beginn war spürbar, dass dieser Tag anders werden würde. Auf dem Veranstaltungsgelände herrschte eine besondere Atmosphäre. Überall bereiteten sich Bands auf ihre letzten Auftritte vor, letzte Uniformen wurden gerichtet, Instrumente gestimmt und Abläufe noch einmal im Kopf durchgegangen. Jeder wusste, dass nun Kleinigkeiten über Medaillen entscheiden konnten.

Nach dem Finale folgte die Siegerehrung – und sie unterschied sich deutlich von dem, was viele der europäischen Teilnehmer gewohnt waren.
Statt einer streng geregelten Zeremonie entwickelte sich auf dem Marktplatz ein farbenfrohes Fest. Die Bands strömten gemeinsam auf die Fläche, Musik erklang aus allen Richtungen, Fahnen wurden geschwenkt, getanzt, gelacht und gefeiert. Die Siegerehrung war weniger offizieller Abschluss als vielmehr Ausdruck der gemeinsamen Leidenschaft für die Marschmusik. Genau diese besondere Atmosphäre machte den Reiz dieser Weltmeisterschaft aus.

Mitten in diesem lebendigen Bild wurden schließlich die Ergebnisse bekannt gegeben.

Die Academy Band wurde Weltmeister im Marschwettbewerb.
Wenig später folgte der zweite Titel: Weltmeister in der Marschparade.

Damit war bereits mehr erreicht worden, als viele zu Beginn des Projekts für möglich gehalten hatten.
Doch die Überraschung war noch nicht vorbei.

Auch im Showwettbewerb – an dem die Band ursprünglich eher spontan teilgenommen hatte, weil Zeit, Motivation und die passende Show vorhanden waren – überzeugte sie die internationale Jury und sicherte sich einen hervorragenden dritten Platz.

In wenigen Minuten wurde sichtbar, wofür fast zwei Jahre gearbeitet worden war. Hinter diesen Erfolgen standen unzählige Stunden auf Probenplätzen, lange Autofahrten quer durch Deutschland, Wochenenden fern der Familie, intensive Trainingslager und das Engagement jedes Einzelnen. Aus einer Idee war ein Team geworden. Aus einem Team eine Weltmeistermannschaft.

Nicht die Medaillen allein machten diesen Moment so besonders. Es war das gemeinsame Wissen, diesen Erfolg miteinander erarbeitet zu haben. Genau das verlieh diesem Tag seinen bleibenden Wert.

RÜCKREISE – UND KEINE ZEIT ZUM DURCHATMEN

Viel Zeit, die Erfolge zu genießen, blieb der Academy Band nicht. Bereits am Morgen des 13. Juli hieß es Abschied nehmen. Nach dem Frühstück wurden Koffer gepackt, Instrumente verladen und der Bus für die rund vierstündige Fahrt zum Flughafen beladen.
Mit dem Rückflug nach Deutschland endete zwar das Kapitel Mexiko – das Projekt selbst war jedoch noch lange nicht abgeschlossen.

Nach rund elf Stunden Flug landete die Gruppe wieder in Deutschland und wurde dort von Vertreterinnen und Vertretern des Turnerbundes herzlich empfangen. Doch auch jetzt wartete noch ein letzter Abschnitt der Reise: Weitere vier Stunden im Bus führten zurück nach Hettstedt.
Dort erwarteten der Fanfarenzug Hettstedt und der Spielmannszug Hettstedt die Rückkehrer mit einem herzlichen Empfang. Beim gemeinsamen Grillabend wurden die ersten Erlebnisse aus Mexiko erzählt, Erinnerungen ausgetauscht und die Weltmeistertitel gefeiert. Nach den langen Reisetagen fühlte sich dieser Abend weniger wie eine Zwischenstation an als vielmehr wie ein Ankommen im Kreis guter Freunde.

Doch schon am nächsten Morgen richtete sich der Blick wieder nach vorn.
Denn unmittelbar nach der Rückkehr begann das 18. Band Camp – und damit die Vorbereitung auf den nächsten Höhepunkt.
Zweieinhalb Tage lang wurde erneut intensiv gearbeitet. Der Trainingsplatz in Hettstedt war bereits für das Marschprogramm des World Music Contest vorbereitet. Nun galt es, das gesamte Programm an die Bedingungen in Kerkrade anzupassen.

Gleichzeitig wuchs die Besetzung wieder an. Zwölf Musikerinnen und Musiker, die nicht an der Mexiko-Reise teilnehmen konnten, stießen nun zur Band. Innerhalb kürzester Zeit mussten Abläufe umgestellt, Formationen angepasst und neue Laufwege einstudiert werden.
Als wären diese Herausforderungen nicht bereits groß genug, fielen kurzfristig zwei Teilnehmende krankheitsbedingt aus. Erneut waren Flexibilität und Zusammenhalt gefragt. Innerhalb weniger Stunden wurden Lösungen gefunden, Positionen neu verteilt und Ersatz organisiert.

Gerade in diesen Momenten zeigte sich, was das Projekt in den vergangenen zwei Jahren geschaffen hatte. Die Beteiligten kannten sich inzwischen weit über die eigenen Vereine hinaus, unterstützten sich gegenseitig und übernahmen Verantwortung, wo sie gebraucht wurde. Aus einem Netzwerk war eine Gemeinschaft geworden, auf die man sich jederzeit verlassen konnte.

ACADEMY BAND - PROJEKT

DAS GROßE ZIEL: KERKRADE

Am Vormittag des 17. Juli wurde in Hettstedt ein letztes Mal intensiv trainiert. Jeder Durchgang diente dazu, die Abläufe weiter zu verinnerlichen und dem Programm den letzten Feinschliff zu geben. Anschließend wurden Instrumente und Gepäck erneut verladen, gemeinsam zu Mittag gegessen und die nächste Etappe der Reise angetreten.

Das Ziel war zunächst Wuppertal. Dort stand eine Zwischenübernachtung auf dem Programm, bevor es am nächsten Morgen weiter nach Kerkrade ging. Selbst nach den anstrengenden Tagen in Mexiko dachte jedoch niemand ans Ausruhen. Am Abend traf sich die Academy Band noch einmal zur gemeinsamen Musikprobe – konzentriert wie am ersten Tag des Projekts.

Am 18. Juli war es schließlich so weit.
Nach dem Frühstück machte sich die Band auf den kurzen Weg nach Kerkrade. Für viele war allein die Ankunft ein besonderer Moment. Der World Music Contest genießt weltweit einen herausragenden Ruf und gilt für zahlreiche Musikerinnen und Musiker als einer der bedeutendsten Wettbewerbe überhaupt. Für die Academy Band schloss sich damit ein Kreis: Schon zu Beginn des Projekts war der gemeinsame Auftritt beim WMC eines der großen Ziele gewesen. Nun wurde dieser Traum Wirklichkeit.

Nach der Anmeldung galt es zunächst, die letzten organisatorischen Fragen – unter anderem rund um die Pauken für das Marschprogramm – zu klären. Danach folgten Aufwärmen, letzte Absprachen und die gewohnte Vorbereitung unmittelbar vor dem Start.
Als die Academy Band schließlich das Marschfeld betrat, war die Anspannung spürbar. Gleichzeitig überwog das Vertrauen in das gemeinsam Erarbeitete. Das Programm war in den vergangenen Tagen noch einmal gezielt an die Bedingungen des World Music Contest angepasst worden und konnte nun seine Wirkung entfalten.

Mit hoher Konzentration, musikalischer Präzision und einem geschlossenen Auftreten präsentierte das Ensemble seine Leistung vor Jury und Publikum. Nach dem letzten Ton fiel die Anspannung langsam ab. Zufriedene Gesichter machten deutlich, dass jeder alles gegeben hatte.
Nun begann das Warten.

Ein Ziel hatten sich alle gemeinsam gesetzt: Vor der Kommazahl sollte eine Acht stehen.
Es war eine ehrgeizige Vorgabe – schließlich gehört die Bewertung beim World Music Contest zu den anspruchsvollsten im internationalen Marschwesen.

Als das Ergebnis verkündet wurde, wich die Spannung schlagartig großer Freude.

81,938 Punkte.

Damit erreichte die Academy Band nicht nur ihr selbst gestecktes Ziel, sondern wurde auch mit einer weiteren Goldmedaille ausgezeichnet.
Diese Zahl stand für weit mehr als eine hervorragende Wertung.

Sie war der Beweis dafür, dass eine Formation, deren Mitglieder erst seit rund anderthalb Jahren gemeinsam trainierten und sich meist nur einmal im Monat trafen, auf höchstem internationalem Niveau bestehen konnte. Die Musikerinnen und Musiker kamen aus unterschiedlichen Vereinen, gingen verschiedensten Berufen nach, studierten, besuchten die Schule oder kümmerten sich um ihre Familien – und fanden dennoch immer wieder zusammen, um gemeinsam an einem Traum zu arbeiten.

Mit der Goldmedaille in Kerkrade fand dieses außergewöhnliche Kapitel einen würdigen Abschluss.


DAS ENDE EINER AUSSERGEWÖHNLICHEN REISE

Nach der Rückkehr nach Hettstedt verbrachte die Academy Band noch eine letzte gemeinsame Nacht, bevor sich am Morgen des 19. Juli die Wege wieder trennten. Beim gemeinsamen Frühstück war die Stimmung eine andere als noch zwei Wochen zuvor. Die Anspannung der bevorstehenden Wettbewerbe war verschwunden. Stattdessen wurde gelacht, erinnert und bereits über die vielen kleinen und großen Momente gesprochen, die diese Reise geprägt hatten.

Nach zwei intensiven Wochen, zwei internationalen Großveranstaltungen, vier Wettbewerben, langen Flügen, unzähligen Buskilometern und zahllosen gemeinsamen Erlebnissen hieß es schließlich Abschied nehmen.
Jeder fuhr zurück in seinen Heimatverein – mit neuen Erfahrungen, neuen Freundschaften und Erinnerungen, die weit über Medaillen und Urkunden hinausreichen.

Ganz beendet war das Projekt zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht. Im August sollte es in Strausberg ein letztes gemeinsames Wiedersehen geben. Doch schon jetzt stand fest: Diese Reise hatte Spuren hinterlassen – musikalisch ebenso wie menschlich.


ZWEI JAHRE, DIE FÜR SICH SPRECHEN

Die Bilanz des Projekts liest sich beeindruckend.

Bereits 2025 gewann die Academy Band beim Internationalen Musikfest in Rastede den Marsch- und Standspielwettbewerb der 2. Division mit 80,292 Punkten.

2026 folgte zunächst der Titel Champion der Lage Landen in Hamont. Dort erreichte die Band 90,15 Punkte im Marschwettbewerb sowie 86,30 Punkte in der Marschparade.

Bei den WAMSB-Weltmeisterschaften in Mexiko kamen zwei weitere Titel hinzu: Weltmeister im Marschwettbewerbmit 90,33 Punkten sowie Weltmeister in der Marschparade mit 88,75 Punkten. Im Showwettbewerb wurde die Leistung zusätzlich mit 90,33 Punkten und dem dritten Platz belohnt.

Den Schlusspunkt setzte schließlich der World Music Contest in Kerkrade. Dort erreichte die Academy Band 81,938 Punkte und erhielt dafür eine weitere Goldmedaille.

Bemerkenswert ist dabei nicht nur die Zahl der Titel und Auszeichnungen. Sämtliche Wertungen der vergangenen zwei Jahre lagen oberhalb der 80-Punkte-Marke – ein eindrucksvoller Beleg für die außergewöhnlich konstanten Leistungen dieses Projekts.

 

MEHR ALS PUNKTE UND POKALE

So beeindruckend die Ergebnisse auch sind – sie erzählen nur einen Teil der Geschichte.
Der eigentliche Erfolg dieses Projekts lässt sich nicht in Punktzahlen, Medaillen oder Urkunden messen.
Er zeigt sich in den Freundschaften, die über Vereinsgrenzen hinweg entstanden sind. Im gegenseitigen Vertrauen. In der Bereitschaft, Wissen zu teilen, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam an einem Ziel zu arbeiten, ohne Konkurrenzdenken in den Mittelpunkt zu stellen.
Er zeigt sich ebenso in der Unterstützung durch Familien, Heimatvereine, Ausbilderinnen und Ausbilder, Helferinnen und Helfer sowie all jene, die dieses Projekt über zwei Jahre hinweg begleitet und ermöglicht haben.
Ihnen allen gilt unser aufrichtiger Dank.

Unser Wunsch ist es, dass jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer die gesammelten Erfahrungen, neue Ideen und frische Motivation mit in den eigenen Verein nimmt. Denn genau dort entfaltet dieses Projekt seine nachhaltigste Wirkung: wenn das Erlebte weitergegeben wird und andere davon profitieren können.

Fanfarenmusik ist weit mehr als Wettbewerb und Wertung. Sie ist gelebtes Kulturgut. Sie lebt von Menschen, die bereit sind, Zeit, Leidenschaft und Engagement zu investieren, um sie zu bewahren, weiterzuentwickeln und an die nächste Generation weiterzugeben.
Wenn dieses Projekt dazu einen kleinen Beitrag leisten konnte, dann hat es sein wichtigstes Ziel erreicht.

DANKE an alle, die Teil dieser außergewöhnlichen Reise waren.

Eure FANFARENZUG ACADEMY