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Zukunft Lernen – 3 Trends, die auch Musikvereine verändern werden

Unsere Gesellschaft verändert sich. Damit ändert sich auch, wie wir zukünftig lernen und arbeiten. Es kommt jetzt darauf an, Lernumgebungen zu gestalten, die Kinder und Jugendliche fit machen für die Herausforderungen im 21. Jahrhundert. Ihre Talente und Potenziale in ihrer Vielfalt zu stärken ist dabei eine der wichtigsten Aufgaben – auch in Musikvereinen.

  • Ich will nicht immer über die Trainer der Zukunft reden, weil wir brauchen sie ja heute schon. Wir müssen heute schon Anfang unser Selbstverständnis neu zu denken und neu zu leben.
    Lernen neu zu denken wird auch höchste Zeit, weil die Gesellschaft hat sich auch verändert und ändert sich weiterhin. Was machen also Lehrer in einer Zeit, in der Informationen ständig und überall verfügbar sind und in der sich Kinder und Jugendliche Wissen zunehmend selber aneignen können. Ja da kann er
    Zeit gewinnen, um sich einer ganz wichtigen Aufgabe zuzuwenden, nämlich sich für die Kinder und Jugendlichen als Menschen zu Interessieren. Und das trifft genauso auch auf Vereine zu. Ich sehe es auch als unsere Aufgabe, Vereine viel mehr ganz bewusst als Bildungsprogramme zu gestalten.
    Dazu gehört, dass wir Lernumgebungen gestalten, in der sich Kinder Herausforderungen stellen können, in der sie sich gut aufgehoben fühlen. Gebt ihnen also Gelegenheiten, wichtig zu sein, etwas bewegen zu können in ihrem
    Umfeld, sich ausprobieren zu können, auch Scheitern zu dürfen, wieder neue Informationen zu sammeln und wieder neu zu Probieren.
    Dazu gehört auch, dass wir uns als freundschaftliche Lerncoaches verstehen, dass wir ihnen zuhören können und herausfinden, was für sie individuell herausfordernd ist, dass wir sie ermutigen und beraten.
    Dazu gehört auch, dass wir die in jedem Kind schlummernden Potenziale entfalten wollen und dass wir ihre Talente in ihrer ganzen Vielfalt wertschätzen. Deshalb ist für mich Vielfalt so wichtig und damit können wir heute anfangen.

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Florian Saeling
Beisitzer - VORSTAND

Florian Saeling ist seit der ersten Klasse im Jahr 2001 Mitglied im Fanfarenzug...
BILDUNGSENTHUSIAST

1. Lernen wird kompetenzorientierter.

Sollen Kinder und Jugendliche zukünftig fähig sein, sich den Herausforderungen im 21. Jahrhundert mutig und verantwortungsvoll zu stellen, dann müssen sie heute lernen, ihr Wissen, Können und Fähigkeiten anzuwenden um gemeinsam neue Probleme selbstorganisiert mit kreativen Ideen und auf neuen Wegen lösen zu können. Kompetenzorientiertes Lernen bedeutet demnach, nicht nur einen möglichst großen Vorrat an Wissen anzuhäufen und damit vorgegebene Ziele zu erreichen, sondern Wissen auch in neuen Situationen anzuwenden und immer wieder neu zu verknüpfen. Es kommt mehr denn je darauf an, man selbst zu sein, seine Fähigkeiten einzusetzen und mit anderen zu vernetzen.

Auch Musikvereine können sehr bedeutsame Lernorte für die Kompetenzentwicklung sein, wenn wir sie dahingehend gestalten. Du solltest dir deshalb nicht nur darüber Gedanken machen, welche Spieltechniken und Musikstücke du vermitteln willst, sondern auch sehr genau überlegen, welche Kompetenzen in eurem Verein trainiert werden können, mit welchen Aufgaben du Kinder und Jugendliche dazu anregen willst und wie du sie betreuen willst.

Zusammenarbeit, Gestaltungswille, Entscheidungsfähigkeit, Lernbereitschaft oder das über den „Tellerrand“ hinaus blicken sind nur einige von vielen Kompetenzen, die wir fördern können und die heute und in Zukunft dringend benötigt werden. Diese Bedeutsamkeit als Lernumgebung muss Musikvereinen viel mehr bewusst werden, denn die Bildung der Kinder ist eben nicht nur eine Aufgabe der Schule, sondern geht nur in Zusammenarbeit mit ihren Eltern und nicht zuletzt ihrer Vereine. Überall haben Kinder und Jugendliche Bezugspersonen, die sie beim Lernen begleiten – vorausgesetzt, sie verstehen sich als solche.

„Ich sehe es auch als unsere Aufgabe, Vereine viel mehr ganz bewusst als Bildungsprogramme zu gestalten.“

2. TrainerInnen nehmen neue Rollen ein.

Wir haben das große Glück, den direkten Zugang zu sehr vielen Kindern und Jugendlichen zu haben, die wir zu großen Teamleistungen und in eine erfolgreiche Zukunft begleiten dürfen. Und wenn wir es wollen, dann sind wir mehr als ihre WissensvermittlerInnen und Aufsichtspersonen – wir sind Coaches, die sich ernsthaft für die Kinder und Jugendlichen interessieren, ihnen spürbares Vertrauen entgegenbringen, ihnen etwas zutrauen und dennoch Fehler nicht als Versagen, sondern Erfahrung werten. Dann können wir es schaffen, dass Kinder und Jugendliche neugierig bleiben und sich den nächsten Herausforderungen gemeinsam mit anderen stellen, um Probleme kreativ und innovativ zu lösen.
Wir sind Lernumgebungsdesigner, die Vereine mit all den vorhandenen Möglichkeiten so gestalten, dass sich die Mitglieder in der Gemeinschaft gut aufgehoben fühlen, an herausfordernden Aufgaben wachsen und jederzeit Vorbilder haben, an denen sie sich orientieren können – drei wichtige Voraussetzungen für erfolgreiches Lernen, die der Hirnforscher Gerald Hüther beschreibt.
Und schließlich sind wir Potenzialentwickler mit dem großen Ziel, die vielfältigen Potenziale aller Kinder und Jugendlichen wertzuschätzen und zu entfalten. Nur wenn Lernende die Vielfalt an unterschiedlichen Talenten, Erfahrungen, Eigenschaften, Interessen, Wissen und vielem mehr was Menschen in ihrer Vielfalt ausmacht als Bereicherung erleben, können sie gemeinsam die kreativen und innovativen Problemlösungen hervorbringen, die unsere Welt heute und zukünftig dringend braucht.

3. Musikvereine werden Teil einer vernetzten Bildungslandschaft.

In einer zunehmend globalisierten und digitalen Welt, zeichnet sich die Vernetzung aller Lebensbereiche ab. Musikvereine sind zukünftig ebenso wie Schulen Teil einer vernetzten Bildungslandschaft mit großen Chancen der Zusammenarbeit. Kulturelle Bildung wird in diesem Zusammenhang einen höheren Stellenwert einnehmen, da ihre Bedeutsamkeit für die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen von immer mehr Lehrpersonen erkannt wird. Lernen findet deshalb zukünftig noch viel mehr in gemeinsam gestalteten schul-, vereins- und nationenübergreifenden Projekten statt. Digitale Tools und Plattformen ermöglichen die vernetzte Zusammenarbeit schon heute wunderbar – jetzt kommt es darauf an, dass wir offen und bereit sind, die Chancen zu nutzen, die das Lernen im 21. Jahrhundert immer besser gestalten.

Probiere dich aus!
Floris Tipps für den Vereinsalltag

  • Beziehe Kinder und Jugendliche in Projekte mit ein, in denen sie frühzeitig erleben können was es bedeutet, sich für andere einzusetzen, wichtig zu sein und selbst etwas bewegen zu können. Ermutige sie auch, eigene Projektideen im Verein zu verwirklichen.
  • Veranstalte Zukunftstage, an denen ihr euch einen Tag Zeit nehmt, mit den Kindern und Jugendlichen Ideen für die Gestaltung eures Vereins zusammentragt und anschließend überlegt, was davon ihr auf welchem Weg anpacken könnt.
  • Führe regelmäßig (z.B. wöchentlich) Coachinggespräche durch. Diese kannst du in den vier Phasen strukturieren:
    1. Frage, was dem Mitglied aktuell Spaß macht oder Sorgen bereitet und wie zufrieden es mit dem Lernen in der Schule und im Verein ist. Frage auch, wie und von wem Unterstützung gewünscht wird.
    2. Knüpfe an das letzte Gespräch an und frage ob die besprochenen Wünsche, Ziele und Probleme erfüllt bzw. erreicht wurden und was Gründe für Erfolge / Misserfolge sind.
    3. Gib einen Ausblick, indem ihr die nächsten Ziele klärt, was in der nächsten Woche erreicht und verändert werden soll und was dem Mitglied dabei besonders wichtig ist.
    4. Lass zum Gesprächsabschluss Raum für alles, was Lernende ihrem Coach noch mitteilen möchten.

Literaturtipp:
Olaf-Axel Burow: „Bildung 2030. Sieben Trends, die die Schule revolutionieren.“

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Gemeinsam gestalten wir Angebote für eine unbegrenzte Marchingband Entwicklung.

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